Experimentelles Mittelalter - so geht es auch auf der Estampie-Scheibe Nummer sieben Signum weiter. Die mittlerweile sechsköpfige Truppe um Michael Popp kann die Träume von Burgen, Rittern und Minnesängern weiterhin trefflich musikalisch ausdrücken. Estampie haben sich aus dem kühlen Norden (Fin Amor von 2002) wieder zurück an die Küsten des Mittelmeeres bewegt und dort sammeln sie Inspirationen für ihre Mittelalter-Entwürfe. Dabei kann der Vergleich zur ebenfalls vom Mittelmeerraum inspirierten Ondas nicht ausbleiben. Wurde dort noch die eher getragene Seite der Region dargestellt, so hat Signum eine größere Lebhaftigkeit zu bieten. Auch hier sind natürlich verträumte Melodien zu finden, so in der Al-Jorn-Trilogie, die das Album einleitet, in der Mitte unterteilt und beendet. Doch sonst wird Trommler Sascha Gotowtschikow freie Hand gelassen, was er auch weidlich nutzt und Erstaunliches auf die Kalbsfelle gerbt ("A Voi Gente", "Trotto", "Razon"). Dabei verzichtet er aber weitgehend auf die basslastigeren Trommeln. Dass Estampie bei ihrer Suche nach geeigneten Melodien zu alten Texten auch mal die Gegenwart durchstreifen, zeigt sich in dem Lied "Non E Gran Cousa", dessen Melodie auf Loreena McKennits "Santiago" vom Album The Mask And The Mirror basiert. Die musikalischen Fähigkeiten der Truppe sind wie stets über allen Zweifel erhaben. Das Konzept, alte Musik auf alten Instrumenten mit den Spieltechniken und Arrangements der Gegenwart zu verknüpfen, kann noch viele weitere schöne Alben hervorbringen
TRACKLISTING
Al Jorn - Alonso
A Voi Gente
Trotto
Audite
Alle Psallite
Razon
Owe War Sint Verswunden
Sine Nomine
Al Jorn - Carceres
Non E Gran Cousa
Cry De La Mort
Quen Na Virgen
Estampie Viii
Non Devemos
Bona Condit
Al Jorn - Triana